5 Wohin geht die Reise?

Drucken

 

Wie in der Informatik generell, ist die Entwicklung auch bei der Tool-Unterstützung im Projektmanagement noch lange nicht abgeschlossen. Die Systeme werden auch künftig mit jeder Version noch mehr Funktionalität anbieten. Diese Entwicklung hat leider mehr Schattenseiten als Vorteile. In der folgenden Darstellung kommt zum Ausdruck, dass mit zunehmender Komplexität eines Software-Produktes der Nutzen nicht nur abnehmen, sondern sich geradezu ins Gegenteil verkehren kann. Je seltener der Benutzer das System nutzt und je mehr Vorbehalte er gegenüber Software generell hat, desto rascher tritt dieser Negativ-Effekt ein.


Abb. E 5.1 Folgen der Feature-Schlacht

Die Anbieter von Software – nicht nur im Projektmanagement – würden sich und den Kunden einen grossen Gefallen tun, wenn sie diese Zusammenhänge erkennen und in bessere Software um-setzen würden. Die Unterscheidung der Funktionalität auf Grund von Rollen geht in diese Richtung. Dies allein genügt jedoch nicht, um Software benutzerfreundlicher zu gestalten.

Die Chancen für innovative Softwarehersteller und Anbieter von AddOns und von Beratungsleistungen, aber auch für Nischenanbieter spezifischer Instrumente, werden gerade in diesem Zu-sammenhang weiter steigen.

Beim Projektportfolio-Management und der Frage, wie dieses in das Gesamtunternehmen zu integrieren ist, wird in den kommenden Jahren noch viel Aufbauarbeit zu leisten sein. Man darf die Entwicklung in diesem Bereich gespannt verfolgen. Dass praxistaugliche Lösungen um die Trennung der zwei Welten gemäss Abschnitt E1.3 nicht herumkommen, werden auch die Marktführer von Projektmanagement-Software nicht länger ignorieren können.

Lösungen, die die Distanz zwischen räumlich getrennt arbeitendenden Teammitgliedern, aber auch zum Auftraggeber, überwinden – via Internet operierende Groupware – wird weiter an Bedeutung gewinnen.

Die Integration von klassischer Anwendungs-Software und Knowledge-Management, wie sie in Abschnitt E2.8 beschrieben wird, steht erst am Anfang seiner Entwicklung und verspricht noch ein grösseres Potenzial. Arbeiten und Lernen dürften künftig wesentlich stärker ineinander greifen als dies zur Zeit der Fall ist.

Ein Grundsatz im Projektmanagement wird bestehen bleiben: mögen künftig noch so ausgeklügelte Systeme für die Unterstützung des Projektleiters oder des Managers eines gesamten Projektportfolios entwickelt werden – die elektronischen Helfer werden auch in ferner Zukunft nicht über die Rolle des willigen Assistenten hinaus wachsen. Und darin liegt wohl auch der besondere Reiz von Projekten: dass sie auf den Intellekt und vielleicht mehr noch auf den Instinkt des Menschen angewiesen sind und bleiben. Das ist so sicher wie die Unsicherheit in Projekten.