Prof. Dr. Heinz Schelle

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Technologiesprünge, hohe Wirtschaftsdynamik, zunehmend kürzere Innovationszyklen, tief greifende Veränderungen im sozialen Bereich. Die Schlagworte sind inzwischen fast abgedroschen, haben deshalb aber nichts an Gültigkeit verloren. Und man darf davon ausgehen, dass unsere Gesellschaft auch in den nächsten fünfzig oder hundert Jahren nicht zur Ruhe kommen wird. Die Notwendigkeit des technischen und organisatorischen Wandels ist heute allgegenwärtig. Sie führt zu Chancen, aber auch zu erheblichen Risiken. Und vor allem erzwingt sie geradezu Projektarbeit und systematisches Projektmanagement. Projektorientiertes Denken und Handeln hat in den vergangenen Jahren dramatisch an Bedeutung gewonnen. Das Gewicht von Leistungserstellung mit Routinecharakter nimmt im Gegensatz dazu ab. Wiederkehrende Aufgaben werden auf Volkswirtschaften übertragen, die sie genauso gut wie wir, jedoch wesentlich kostengünstiger bewältigen. Und dies ist im Hinblick auf den globalen Ausgleich auch gut so.

Der professionelle Umgang mit der Notwendigkeit des Wandels und damit mit Projekten ist zu einem zentralen Erfolgsfaktor geworden. Buchstäblich in jedem Bereich der Privatwirtschaft, aber auch in jeder Organisation der öffentlichen Hand oder anderer Non-Profit-Bereiche, hat Projektmanagement Einzug gehalten. Projektmanagement ist von der Spezialität einiger ausgewählter Unternehmen, die häufig zum Rüstungsbereich gehörten, zu einer Kernkompetenz moderner Betriebe geworden.

Was durch fehlende Struktur, Systematik und Führungsarbeit in Projekten an Ressourcen und Geld, aber auch an Arbeitsfreude verloren geht, ist kaum zu ermessen. Erfolg ohne systematisches Projektmanagement ist im besten Fall durch heroische Anstrengungen der Mitarbeiter zu erreichen, mit langfristig oft schlimmen Auswirkungen auf Motivation und Gesundheit der Mitarbeiter, wie in jüngster Zeit z.B. Tom DeMarco überzeugend gezeigt hat. Schon mit der Anwendung einiger weniger Grundregeln des Projektmanagement wäre ein Potenzial zu aktivieren, das sich auf das Gesamtergebnis einer Organisation außerordentlich positiv auswirken würde.

Projektmanagement hat viele Facetten. Seine notwendige Ausformung hängt u.a. von der Projektgröße und der Branche ab. Auch mit einem noch so umfangreichen Fachbuch gelingt es kaum, sämtliche Aspekte ausreichend abzudecken. Ein grosser Teil der Veröffentlichungen zum Projektmanagement erschliesst das Thema deshalb auch nur aus der Sicht einer Branche, mit der der Autor besonders vertraut ist und konzentriert sich z.B. auf IT-Projekte, Bauvorhaben oder auf die Entwicklung materieller Produkte und behandelt schwerpunktmäßig den „technokratischen“ Teil oder die so genannten „soft facts“.

Ich freue mich, dass Heinz Scheuring, dessen Arbeiten ich seit Jahren verfolge, mit diesem Buch die kurz skizzierten Nachteile überwindet. Er differenziert nicht nur sehr deutlich nach Projektarten, sondern betrachtet „unsere“ Disziplin auch aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. Besonders anerkennenswert ist, dass er in der Vergangenheit oft vernachlässigte Themen wie das Management von Projektportfolios und die Unterstützung durch die Informatik, eines seiner Spezialgebiete, aufgreift. Daß ihm dabei seine langjährige Erfahrung als Unternehmensberater sehr zu gute kommt, darf nicht unerwähnt bleiben. Schließlich hat Scheuring auch eine ganz neue Idee realisiert, die vermutlich Schule machen wird: Da ein Autor in einem Buch, soll es nicht zu einem unlesbaren Wälzer werden, relativ enge Seitenbeschränkungen einhalten muß, können in der Regel viele, für einen ausgewählten Leserkreis wertvolle Informationen nicht publiziert werden. Der hier gefundene Weg, auch einen Internet-Teil anzubieten, in dem spezifische Inhalte aufbereitet sind, ist zwar naheliegend, wurde aber bisher meines Wissens kaum begangen.

Ich wünsche dem didaktisch hervorragend gemachten Buch, das ich für eine sehr wertvolle Neuerscheinung auf dem Markt halte, eine weite Verbreitung.

Oberau im Dezember 2001

Prof. Dr. Heinz Schelle

Ehrenvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement GPM