2.3 Interne versus Kundenprojekte

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Von grosser Bedeutung ist die organisatorische Nähe des Auftraggebers zum Auftragnehmer, dem Projektleiter und seinem Team. Der eine Extremfall ist die Abwicklung des Projekts in der Organisationseinheit des Auftraggebers («interne Projekte»). Am andern Ende der Skala stehen Projekte mit einem Auftraggeber, der einem unabhängigen Unternehmen angehört («Kundenprojekte»).

Ein Kundenprojekt ist beispielsweise der Auftrag an ein Informatikunternehmen, die Informatikdienstleistungen eines Bauunternehmens zu übernehmen – ein Organisationspro-jekt mit dem Ziel des Outsourcing. In diesem Beispiel übernimmt der Auftragnehmer gleich auch den Betrieb, die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen reicht also über das Projektende hinaus.

Abb. A 2.2 Interne und externe Projekte


Liefert ein Elektrokonzern die gesamte Schaltzentrale beim Bau des erwähnten Kraftwerkes, gehört dies zu den grossen unter den Kundenprojekten. Überall da, wo komplexe Teile eines internen Projektes an externe Auftragnehmer vergeben werden, entsteht für diesen ein Kunden- oder Auftragsprojekt.

Rein interne Projekte sind das Entwicklungsprojekt hyperWeb oder die interne Umorganisation der Konzernstruktur. Zwischen den beiden reinen Extremfällen liegt das Projekt Cafeteria, falls zwischen dem Werk und der internen Bauabteilung ein vertragsähnliches Auftragsverhältnis besteht. Auftraggeber und Auftragnehmer gehören zwar der gleichen Firma an, sind aber organisatorisch doch deutlich getrennt.


Abb. A 2.3 Projektarten nach zwei Dimensionen

Kundenprojekte unterscheiden sich von internen Projekten:

  • Das Resultat des Projektes wird bei Kundenprojekten durch ein fremdes, bei internen Projekten durch das eigene Unternehmen genutzt.
  • Die Projektziele (Inhalt/Qualität, Termine, Preis) sind in Kundenprojekten vertraglich verbindlich festgelegt und meist relativ «hart». Sie zu ändern, erfordert einen formalen Prozess, den das auftraggebende Unternehmen kontrolliert. In internen Projekten sind die Projektziele zunächst häufig vage und werden in den frühen Phasen des Projektes erst entwickelt.
  • Bei Kundenprojekten steht für das auftragnehmende Unternehmen die wirtschaftliche Seite, das Ziel, ein positives finanzielles Ergebnis zu erzielen, an erster Stelle. Abweichungen schon von wenigen Prozentpunkten bei den entstehenden Kosten haben eine fatale Wirkung. Der sehr straffe Umgang mit Änderungen und Planabweichungen ist hier ein Muss und führt nicht selten zu einem Kräftemessen zwischen Kunden und Lieferanten. Bei internen Projekten ist der wirtschaftliche Erfolg meist nur teilweise messbar. Vielfach erhalten aus diesen Gründen interne Projekte gegenüber Kundenprojekten eine tiefere Priorität.
  • Der Projektleiter eines Kundenprojektes hat zwei Chefs: den internen Chef in seiner Firma sowie den Kunden bzw. dessen Projektleiter.